09.05.2016 18:21


... haben wir den Bungalow wieder mit Wasser versorgt, ein wenig aufgeräumt und die Kinder haben mit ihrer Tante zusammen die Bank und andere Dinge bunt gezaubert. Zur Belohnung gab es Eis aus dem Nachbardorf mit wunderschönem Ausblick über das Tal. Und abends Lagerfeuer... Ach irgendwie wie früher. Und die Kinder werden es irgendwann ihren Kindern erzählen. Und es wird hoffentlich genauso schön in Erinnerung bleiben wie bei mir. Schade, dass der Großvater - mein Papa - nicht mehr lebt, der hätte sicher noch die eine oder andere gruselige Geschichte vorgelesen.









24.04.2016 15:28


Forsetzung zum Beitrag vom 18.04 - aus Zeitermangelungsgründen nun doch ein paar Tage später.

Ein "kleiner" Nachmittagsausflug führte von Luminy - Faculté des Sciences (Universität) mehr als eine Stunde Fußmarsch an die Küste - auf der Suche nach weiteren bekletterbaren Felsen. Ein Tipp von einer französisch-deutschen Klettering. Allerdings wäre ein Lageplan sinnvoller gewesen, denn es gab zwar wundervoll griffigen frischen Kalkstein, nur leider ohne Haken. Später stellte sich heraus, dass die Routen wohl an der Kante unter meinen Füßen gelegen haben müssen. Trotzdem - der Weg hierher an die Klippen oberhalb von Sugiton hat sich definitiv gelohnt. Ganz außer Atem von der vielen Lauferei trat ich an die Kante und war vollkommen überwältigt und sprachlos. Was für ein Ausblick! Mehr als zweihundert Meter über dem Meer, wunderschöne weiße Felsen zu den Füßen und eine zauberhafte kleine Bucht. Das Bild hier unterhalb kann nicht zu einem Bruchteil das zeigen, wie klein man sich fühlt, wenn man an dieser Stelle steht. (Klicken zum Vergrößern, ggf am Handy etwas lausige Darstellung ;-) )



Ich hätte ewig so stehen könne, der Wind weht vom Wasser her, der Blick... wenn nicht die schwarzen Wolken gewesen wären, die bedrohlich die Massive hinter mir in schwarzen Nebel hüllten. Der Rückweg war lang, also Beine in die Hand nehmen und zusehen, dass das Nass oben bleibt.

Das besser bestellte Wetter am Folgetag lockte zu einer erneut eher weiten Wanderung in die Bucht "En Vau". Bis dahin führt ebenfalls keine Straße und man muss entweder von Cassis oder dem alten Forsthaus dorthin laufen. Die Entscheidung fiel für den bereits bekannten Weg von dem alten Steinbruch nahe Cassis. Zuerst entlang dem Yachthafen Port Miou, vorbei an der Bucht Port Pin und dann eine sich ewig immer leicht bergauf ziehende Passage direkt auf das Plateau. Das Anstrengendste war geschafft, nun nur noch der etwas unwegsame Abstieg nach En Vau und ein kurzer Weg zwischen mehr als hundert Metern hoch aufragenden Felsen bis vorn an den Strand. Das Ziel für heute war ein Blick von diesem Felsen - Le Petite Aiguille - direkt auf das Wasser.



Aber erst einmal nach oben. Wege gibt es hier ab einer französchen vier (IUAA 5). Der Fuß selbiger scheint aber die örtliche Toilette zu sein, also fiel die Wahl auf eine 5+(6). Der Nachteil ist, dass dieser Felsen wohl schon zig Jahre beklettert wird und dementsprechend alle Routen schön glatt poliert sind. Da braucht es viele vertrauensbildende Maßnahmen, dass man glaubt, dass der Schuh da hält. Durch den Kamin hoch geschunden - zum Glück kann ich mich da mit der Hüfte festklemmen ;-) - und dann laaaaang den Blick genossen. Fantastisch. Da das Foto vom letzten Jahr aber schöner war - von wegen blauem Himmel und so - schau dir mal lieber dieses an. Gegenüber an der Wand "Grand Rappel" hatte eine Seilschaft Mühe mit der Schlüsselstelle. Das war der Plan für morgen. Soll ja schön schattig sein, wenn dann die Sonne raus kommt. Oberhalb dessen gibt es ein Hochlateau, welches über einen Kletterweg erreichbar sein soll, da wollte ich noch einen Blick drauf werfen und auf die ebenfalls mit Klettern zu erreichende Schlangengrotte (trou du serpent).





Der Weg dorthin führte nah am Abgrund entlang und nicht immer war ganz klar, wie es weiter gehen sollte. Irgendwann zeigte ein kleiner Pfeil eine glatte Wand hoch - das war wohl die Route mit der Bewertung 3 (4+). Aber ohne Sicherung und total poliert? Nein danke, das ist die Höhle dann doch nicht wert. Stattdessen ein Blick durch ein anderes Loch (trou de canon):



Soll man wohl durchklettern können, aber wer weiß, in welches Loch man da fällt... Auf dem wieder langen Rückweg entstanden diese Bilder vom Kap Canaille. Auf ersterem sitze ich an einem kleinen Spalt im Fels. Wellen drücken dort Luft hindurch und es ertönt ein Schaufen. Einheimische nennen das wohl "Le Souffle de la Mer". Sogar Zapfen kann es wegpusten :-)





Am Ende des Tages weiß man, was man getan hat - diese vielen Kilometer in den Schuhen. So war der Plan für den nächsten Tag, den anderen Weg vom Forsthaus her zu versuchen.



Der war zumindest schonmal mit weniger Steigungen versehen, nahm sich von der Länge her aber nichts. Andere Einblicke konnte man gewinnen und es stellte sich nach Eintritt in das Tal folgende Frage: Der rechte oder der linke Felsen?





Für diese Mehrseillängentour kann man gleich gut drei oder mehr Stunden einplanen, also nur noch kurz gelungert in der Bucht, das Stück probiert, wo die Seilschaft gestern hing...



... auch verstanden, warum die sich dort so schwer getan haben und dann den Ausstieg aus dem Tal über den rechten Felsen gewählt - La Sirene. Die Sonne im Rücken, gut gegrillt und immer schön Böhen in Windstärke acht, wo man von Glück reden konnte, dass man angeleint war ;-)



Oben angekommen dann - mal wieder - ein wahnsinnig schöner Panoramablick. Allerdings auch furchtbar stürmisch, man musste sich ziemlich gut festhalten.



Langsam war auch die Sonne am Sinken und es lag noch ein Rückweg von mehr als einer Stunde vor mir. Geplant war der Aufstieg hier hoch schon im letzten Jahr, dann aber am Können gescheitert. Und was gibt es schöneres, als dieses endlich geschafft zu haben und dann in der untergehenden Sonne nach Hause zu laufen.



Mühsam allerdings, sehr mühsam. Immer dem Sturm entgegen. Bald hatte ich das Gefühl, er weht durch mich durch, so kühl war das trotz Jacke. Und anstrengend. Was war ich froh, als das Auto in Sicht kam. Noch 300 Meter, noch 200, noch 100... Ich will Kuchen! Zu spät, um acht schließt auch hier der letzte Laden.

Und dann ist er da, der letzte Tag. Immer noch stürmisch, immer noch sonnig. Der kleine Bäcker hat Baguette und Schokobrötchen. Ebenfalls wie jeden Tag. Und es kommt nur eine windgeschützte Ecke in Frage - die kleine Neuentdeckung vom ersten Tag. Dort gab es noch einiges von 5b bis 5c+ (alles so um die 6), was erledigt werden wollte. Die 6a wollte sich leider nicht bezwingen lassen, aber die läuft ja nicht weg.





Abwechselnd im Schatten chillen oder klettern. So lässt es sich leben. Und zum Schluss noch ein Kaffee in Morgiou und eine kurze Wanderung zu einer Grotte.







Ein letzter Blick auf die Stadt. Wegen Sturm war die Straße nach La Ciotat schon gesperrt, aber es gibt ja auch andere Wege, um von oben herab zu schauen.



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