Explosive Waldameisen
22.08.2016 21:21
Dynamitwand. Freiberg - Muldenhütten. Acht Minuten zu Fuß, sagte mein Kletterführer. Wenn man denn erst einmal die richtige Gleisseite erwischt, um zu parken. Der erste Versuch zeigte zwar schöne Landschaft, aber einen völlig falschen Startpunkt. Also Karte auf den Kopf stellen... ah! Und noch einmal von vorn. Schattenplätze waren selten, aber hatte der Wetterbericht nicht kühl und wechselhaft gemeldet? Nach einem morgenlichen Guss fühlte sich das eher nach Sauna an, doch wenn man einmal hier ist... so weit kann das ja nicht sein. Die Beschreibung war dürftig, der gepriesene Waldweg zugewuchert. Den Abzweig, den wir nach den empfohlenen vierzig Metern nahmen, der falsche. Was es reichlich gab, waren rote Waldameisen. Hier hatte man nicht den Eindruck, dass sie vom Aussterben bedroht seien. Im Gegenteil, wohin das Auge blickte, kleine rote Tierchen zu hunderten auf dem Waldweg, im Gebüsch, in meinen Schuhen, auf meinen Beinen, auf dem Weg in meine Hosen. Moment mal, fressen die nicht tote Tiere und Insekten? Warum hab ich das Gefühl, sie wollen mich wegtragen? Ganze Knäul verbissen sich in meinen Schuhen und auch schnelleres Laufen brachte nicht wirklich Abhilfe. Schön, wenn man den mitten auf dem Weg befindlichen Ameisenhaufen passiert hat und dann feststellt, dass man irgendwie falsch ist und zurück müsste. Nein. Vielen Dank. Dann doch lieber der direkte Weg den Hang hinunter durch Farn- und Brombeerhecken. Wer nun gedacht hat, am Wandfuß könnte man sich gemütlich auf einen Felsen setzen, die Tierchen aus den Latschen schütteln und Wasser auf die Bisse tropfen, der hat wohl nicht mit Onkel, Tante und jeder Menge Cousinen der kleinen Plagegeister gerechnet, die sich da schon sonnten und nur darauf warteten, dass sich ein armer Kletterer hierher verirrte. Mal in Ruhe die Wand ansehen und schauen, was so geht? Wenn ich zehn Zentimeter über dem Boden schweben könnte - gerne. Aber so kommen Wand und ich heute nicht zusammen. Ein paar Blicke geworfen - ist bestimmt interessant. Vielleicht im Winter, wenn die Ameisen schlafen und es ein paar Grad kälter ist.
Felsinfo:
Ort: Freiberg, Hilbersdorf, Muldenhütten
Koordinaten: N 50°53'53" E 13°23'29"
Gestein: Gneis
Lage: am Hang, südlich ausgerichtet
Höhe: 15 Meter
Absicherung: ausreichend Haken, ggf ein paar Keile mitbringen
Zustieg: wenn man gleich den rechten Weg findet, ca 10 Minuten
Gestern und heute
16.08.2016 17:39
Fünfundzwanzig Jahre ist es her. Jedenfalls so fast ungefähr - verdammt, muss ich alt sein ;-) Hier waren wir einst im Urlaub. Zelten. Der Platz ist weg, jetzt steht hier ein Hotel. Der Hostsee ist aber noch da. Genauso algig wie damals. Vielleicht waren die Sonnenuntergänge früher ebenso schön. Wer weiß... Ein paar Enten habe ich erschreckt.

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