Frostig weiß
22.01.2016 19:31
Lang haben wir gewartet, mal war es ein wenig überzuckert, mal nass und klebrig. Doch letzte Woche kam er dann mit Schneesturm, Kälte und der Lust, auf die Bretter zu steigen. So wurden die ersten Versuche dieses Jahr am Bouřňák im Böhmischen - zu deutsch "Stürmer" - gewagt. Wochenende. Anstehzeit am Lift. Eine schöne Piste am rückwärtigen Berg - aber mit dem Los der ewigen Warterei. Eine Piste, auf der man nachmittags beim Steinezählen nicht mehr hinterher kam, vorn durch den Wald. Und die steile schwarze. Spaß hat es trotz nerviger Parkplatzsuche gemacht, den Honza besucht, gut gegessen. Halt, was man in Tschechien zwingend noch erledigen muss, wenn man einmal da ist.

Tags drauf dann eine Wanderung durch den verschneiten Fürstenwald. Bis zum kleinen See in der Waldesmitte hüpften wir von Baum zu Baum, um den Inhalt seiner Wipfel uns gegenseitig in den Kragen zu schütteln. Da es auch noch wie wild schneite, lohnte sich das doppelt. Aus dem Wald kamen dann viele Schneemänner hervor ;-)
Doch leider bleibt das alles wohl nur ein kurzes Intermezzo und um das trotz nun mal nötiger Arbeit richtig auskosten zu können, wurde das Nachtskifahren am Fichtelberg ins Auge gefasst. Gibt's auch hier um die Ecke in Augustusburg, nur ist da der Hang so kurz, dass es das Geld nicht so richtig lohnt. Und die Aussicht am höchsten Berg Sachsens ist definitiv besser. Steht man oben und guckt auf die vielen kleinen Lichterpünktchen, im Rücken tief verschneite Fichten, die sich wie dunkle Wächter nur wenig im Mondesschein vom Sternenhimmel abheben, ist das schon ein tolles Gefühl. Kalt war es aber. Unten zeigte das Auto -15°C, oben wehte ein eisiges Lüftchen. Rein ins Dunkel! Den Hang hinab fliegen
Wie lange ich lebe, liegt nicht in meiner Macht…
12.01.2016 20:33
… dass ich aber, solange ich lebe, wirklich lebe, das hängt von mir ab.
(Seneca)
Wie oft vergisst man das? Wartet drauf, dass irgendwas, irgendwer vorbei kommt, um einen glücklich zu machen. Vergisst, dass auch die kleinen Momente dazu taugen, glücklich zu sein. Im Sommer letzten Jahres hat jemand zu mir gesagt, dass es sich besser leben lässt, wenn man keinen Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen nachhängt. Sondern die Dinge auf sich zukommen lässt und sich an dem erfreut, was da kommt. Ist verdammt schwierig, das ist mal fakt. An kleinen Momenten mich erfreuen, das konnte ich schon, nur das mit den Erwartungen – das wurde mir erst an einem Herbstwochenende klar. Da ist wirklich was dran. Erwarte nichts, dann kannst du nicht enttäuscht werden. Mache dich frei von Befürchtungen, denn sie engen dich ein, machen dir Angst. Sauge jeden Lebensatemzug tief in dich auf. Das heißt nicht, dass du keine Pläne haben sollst – die werden ebenso wichtig gebraucht – aber darauf zu warten, dass andere irgendetwas entscheiden, worauf du keinen Einfluss hast – das kann zermürben. Befreit davon lässt sich das, was greifbar ist, um ein Vielfaches mehr genießen.
Drei Jahre ist es jetzt her, dass ein guter Freund nur unwesentlich älter als ich – Papa, Ehemann – von heute auf morgen nicht mehr unter uns war. Und vor nur wenigen Tagen erst, erlebte ich dieses Schicksal fast unmittelbar noch einmal mit. Unbekannt zwar, aber doch irgendwie dazugehörig. Jünger, mit Plänen und Familie. Und dann aus. Vorbei. Das macht nachdenklich.
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